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    Lelit Fred PL44 und PL43 im Test: Espressomühlen

    Lelit Fred PL44 und PL43 im Test: Espressomühlen

    Zwei Espressomühlen der Einstiegsklasse, beide heißen Fred: die Lelit PL043MMI für ca. 185 Euro und die Lelit PL044MMT für ca. 235 Euro. Beide haben wir ausführlich getestet und wie immer selbst gekauft. Und beide zeigen dasselbe Ergebnis, nur unterschiedlich verpackt.

    Die Freds liefen in der günstigsten Vergleichsgruppe des ersten Sets unserer Espressomühlen-Testreihe mit, im Bereich zwischen 150 und 250 Euro. Damals haben wir 24 Mühlen direkt miteinander verglichen, inzwischen sind über 100 durch unser Labor gegangen. Wie wir messen, steht im Testprotokoll Espressomühlen. Alle unsere Lelit-Tests findest du gebündelt auf der Übersichtsseite Lelit im Überblick.

    Was die beiden Freds unterscheidet

    Weniger, als der Preisunterschied vermuten lässt. Das Mahlwerk ist in beiden Mühlen dasselbe Kegelmahlwerk. Die PL044MMT ist größer und hat eine programmierbare Zeitdosierung, bei der PL043MMI liegt die Übersetzung optisch offen, bei der größeren ist alles verkleidet.

    Gebaut sind beide aus gebogenem Blech, und das merkt man. Lelit ist Maschinenbauer, kein Mühlenbauer. Wer sein Chromstahl selbst kantet, nimmt ein Mahlwerk und legt ein Chromstahlkleid darum. Das ist keine schlechte Verarbeitung, aber auch keine, die Freude macht.

    Der Bohnenbehälter fasst rund 250 Gramm und hat keinen Schieber. Theoretisch kannst du ihn abnehmen, praktisch heißt das: leermahlen, ausschütten, eine schwarze Schutzkappe lösen, eine Schraube herausdrehen. Und dann das Problem: Sobald du den Behälter gedreht hast, stimmt die Mahlgradskala vorne nicht mehr, wenn du nicht vorher markiert hast, wo du warst. Diese Mühlen sind nicht für den täglichen Bohnenwechsel gebaut.

    Lautstärke, Geschwindigkeit und ein Sicherheitsmechanismus

    88,9 Dezibel bei der PL044MMT, 87,5 Dezibel bei der PL043MMI. Beide sind laut. Der Motor klingt beim Verstellen tatsächlich wie ein Motorrad.

    Langsam sind sie außerdem. 14,3 Gramm in 10 Sekunden bei der PL044MMT, 15,1 Gramm bei der PL043MMI. Für 18 Gramm Espresso brauchst du also gut zwölf Sekunden. Das ist im Testfeld am unteren Ende.

    Und dann gibt es eine Eigenheit, die im Alltag richtig ärgern kann. Bei unserer Konstanzmessung an der PL044MMT wollten wir zehn Dosierungen hintereinander mahlen. Nach der dritten passierte nichts mehr. Man drückt, die Mühle mahlt nicht. In der Bedienungsanleitung steht die Erklärung: Nach etwa drei Mahlvorgängen von je rund 10 Sekunden braucht die Mühle 100 Sekunden Pause. Wir vermuten einen thermischen Schutz, weil die Mühle beim Mahlen aufheizt.

    Was das praktisch heißt

    Für zwei Espressi am Morgen ist das kein Thema. Wenn du aber für Gäste vier oder fünf Portionen hintereinander mahlen willst, steht die Mühle irgendwann still und gibt dir keinen Kaffee mehr. Wer mehr als 18 Gramm auf einmal mahlt, rutscht schneller in diese Sperre.

    Die Temperatur liegt bei 38 Grad (PL044MMT) und 37,9 Grad (PL043MMI), mit einem Anstieg von 0,8 beziehungsweise 0,7 Grad über die Messreihe. Beide starten also schon warm. Einen sensorisch klar nachweisbaren Einfluss der Mahlguttemperatur haben wir in unseren Messreihen bisher nicht gefunden.

    Totraum und Dosiergenauigkeit

    4,5 Gramm Totraum bei der PL044MMT, 5,0 Gramm bei der PL043MMI. Vor diesem Mühlentest hätten wir gesagt: geht so. Heute wissen wir, dass es Mühlen gibt, die bei 3 Gramm und weniger liegen. 5 Gramm sind viel. Das ist altes Pulver, das im Mahlwerk liegt und das du irgendwann durchmahlen musst.

    Im Single Dosing verlieren die Freds 3,7 Gramm (PL044MMT) und 3,0 Gramm (PL043MMI). Das ist zu viel, um damit sinnvoll verschiedene Kaffees im Wechsel zu mahlen.

    Die Dosiergenauigkeit der PL044MMT messen wir mit einer Standardabweichung von 0,48 Gramm, was einer Schwankung von rund einem Gramm entspricht. Zusammen mit dem hohen Totraum und einer Programmierung, die über Blinksignale läuft, wird das Einstellen zur Geduldsprobe.

    So programmierst du die Dosierung der PL044MMT: Lange auf die Programmiertaste drücken, bis das blaue Lämpchen erlischt. Jeder kurze Druck erhöht die Mahlzeit um 0,5 Sekunden. Lässt du los, zeigt die Mühle die gespeicherte Dauer über Blinksignale an, die du mitzählen musst. Zum Reduzieren wieder lange drücken, dann noch einmal lange drücken, und jedes Blinken senkt den Wert um 0,5 Sekunden.

    Der Espresso in der Tasse

    Hier wird es unangenehm. Beide Mühlen liefern einen Espresso, der nicht balanciert ist. Die Säure steht spitz und allein, die Süße fehlt, die Bitterkeit hat keinen Gegenspieler. Michel Indelicato, Schweizer Vize-Baristameister und Kursleiter bei uns, hat es im Test so formuliert: „Es ist keine Einheit.“

    Das Problem der Mühlen ist jedoch nicht das Brührezept. Auch bei unterschiedlichen Rezepten kommt das Ergebnis in der Tasse nicht in die Balance. Der Kaffee hat die Schwere eines typischen Espressos, aber ihm fehlt das Gleichgewicht. Beim Abkühlen wird es deutlicher.

    Sensorisch unterscheiden sich die beiden Freds kaum. Eine wirkt in der Textur etwas weicher und säurebetonter, die andere etwas weniger balanciert. Das sind Nuancen innerhalb eines Ergebnisses, das in beiden Fällen nicht überzeugt.

    Die Partikelverteilung erklärt, warum

    Wir haben sieben Partikelverteilungsmessungen gemacht und vier Espresso-Mahlungen ausgewertet. Der Feinanteil liegt bei 20,1 Prozent (PL044MMT) und 21,7 Prozent (PL043MMI), also im tiefen Bereich unserer Messungen von 2022 und damit in Ordnung. Zwei andere Werte sind das Problem.

    Erstens der X50-Wert, der Mittelpunkt aller Partikel: 359 Mikrometer bei der PL044MMT, 360 bei der PL043MMI. Das ist deutlich über 300 und damit im oberen Bereich des Testfelds.

    Zweitens, und das ist der eigentliche Befund: die Breite des Hauptpeaks. 336 Mikrometer bei der PL044MMT, 349 bei der PL043MMI. Die beste Mühle im damaligen Testfeld lag bei 180 Mikrometern. Diese beiden Lelits haben damit die breiteste Partikelstreuung der 24 direkt verglichenen Mühlen.

    Partikelverteilung Lelit Fred PL044MMT

    Partikelverteilung der Lelit Fred PL044MMT

    Partikelverteilung Lelit Fred PL043MMI

    Partikelverteilung der Lelit Fred PL043MMI

    Warum das schmeckt, wie es schmeckt: Extraktion passiert an jedem einzelnen Partikel. Je mehr Partikel dieselbe Größe haben, desto gleichmäßiger extrahieren sie. Bei einer breiten Streuung sind kleine Partikel überextrahiert, während große noch nicht fertig sind. Du bekommst alles gleichzeitig in die Tasse, und genau das schmeckt man als fehlende Einheit.

    Zum Vergleich zeigen wir die Kurve einer Mühle mit schmalerem Hauptpeak. Ein schmalerer Hauptpeak führt in der Regel zu balancierteren Bezügen und gleichmäßigerer Extraktion.

    Partikelverteilungsmessung im Vergleich

    Vergleich der Lelit-Kurven mit der Eureka XL (X50 303 µm, Feinanteil 21,6 %, Grob-Peak 239 µm) beim Espresso-Rezept 18 g in, 45 g out in 25 Sekunden.

    Was die Freds gut machen

    Zwei Dinge, und die sind nicht nichts.

    Erstens mahlen beide espressofein und sogar ristrettofein. Das klingt banal, ist bei günstigen Espressomühlen aber eine Grundvoraussetzung, die nicht jede erfüllt. Die Freds decken unsere gesamte Espresso-Range ab.

    Zweitens ist die Mahlgrad-Reproduzierbarkeit gut. Kleine Veränderungen am Rad verändern wenig, du brauchst zwei bis drei Umdrehungen für einen deutlichen Unterschied. Das macht es einfach, einen Punkt wiederzufinden. Genau da, wo die Lelit William PL72 in derselben Kategorie scheitert, sind die Freds verlässlich.

    Und die Extraktionszeiten stimmen: Wir haben immer wieder präzise Bezüge zwischen 23 und 27 Sekunden bekommen. Wer Espresso einstellen lernen will, kann das mit diesen Mühlen üben.

    Messwerte im Vergleich

    Kriterium Lelit Fred PL044MMT Lelit Fred PL043MMI
    Preis* ca. 235 € ca. 185 €
    Lautstärke 88,9 dB 87,5 dB
    Totraum 4,5 g 5,0 g
    Geschwindigkeit 14,3 g / 10 s 15,1 g / 10 s
    Temperatur 38,0 °C, Anstieg 0,8 ° 37,9 °C, Anstieg 0,7 °
    Dosierkonstanz Standardabweichung 0,48 g
    Single Dosing 3,7 g Verlust 3,0 g Verlust
    X50 (Espresso) 359 µm 360 µm
    Feinanteil 20,1 % 21,7 %
    Breite Hauptpeak 336 µm 349 µm
    Bohnenbehälter ca. 250 g, nicht abnehmbar ca. 250 g, nicht abnehmbar
    Zeitdosierung programmierbar ja nein

    * Preise zum Testzeitpunkt, nicht tagesaktuell.

    Fazit Lelit Mühlen

    Fazit zur Lelit Fred PL044MMT und PL043MMI

    Für die Zubereitung von purem Espresso können wir die beiden Freds nicht empfehlen. Die Partikelverteilung streut zu breit, und das schlägt sich direkt in der Tasse nieder. Wir haben in diesem Test viele Mühlen gemessen, aber keine, bei der sich der Zusammenhang zwischen Messdaten und Geschmack so deutlich zeigte.

    Wenn du überwiegend Cappuccino, Latte Macchiato oder andere Milchmischgetränke trinkst, ändert sich die Bewertung. Milch ist der große Gleichmacher, sie bringt die Süße mit, die dem Espresso fehlt. In diesem Fall sind beide Freds brauchbare Einstiegsmühlen, und die PL043MMI ist für ca. 185 Euro der ehrlichere Kauf, weil der Aufpreis für die Programmierung der PL044MMT wenig bringt.

    Was du mit diesen Mühlen nicht kannst: dich sensorisch weiterentwickeln. Wenn du herausfinden willst, wie unterschiedliche Kaffees schmecken können, wirst du an diesen Mühlen scheitern und den Fehler bei dir suchen. Genau das ist die Erfahrung, die Teilnehmende in unsere Kurse mitbringen: Alles richtig gemacht, und es schmeckt trotzdem nicht.

    Wie die Freds gegen den Rest des Testfelds abgeschnitten haben und welche Mühle in dieser Preisklasse gewonnen hat, steht in unserer Übersicht der besten Espressomühlen für Zuhause, die inzwischen über 100 getestete Mühlen umfasst. Eine Einordnung aller Lelit-Geräte findest du unter Lelit: alle Tests und Modelle. Und wenn du an Rezept und Mahlgrad arbeiten willst: Espresso zubereiten.

    Wie immer haben wir auch diese beiden Mühlen selbst gekauft. Dieser Test wurde nicht von Lelit angefragt.

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